15 Fragen an die Profitraderinnen Dr. Luba Schönig und Tonia Zimmermann

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15 Fragen an Dr. Luba Schönig und Tonia Zimmermann von UMushroom | Online Broker LYNX
Ausgewählte Trader beantworten unseren standardisierten Fragebogen. Die Vergleichbarkeit der Fragen und die Unterschiedlichkeit oder eben die Ähnlichkeiter Antworten zeichnen dieses Interviewkonzept aus. Heute antworten uns die Gründerinnen und Betreiberinnen der Finanzplattform UMushroom.com Dr. Luba Schönig und Tonia Zimmermann.

Guten Tag Frau Dr. Schönig, Frau Zimmermann, die LYNX Broker-Redaktion freut sich sehr, dass Sie sich Zeit für ein Interview mit uns nehmen. Vielleicht können Sie sich uns zu Beginn ein wenig vorstellen und uns erzählen, wann und wie Sie auf die Börse gekommen sind?

Danke für die Einladung, liebes LYNX Team! Gern stellen wir uns kurz vor. Wir beide blicken auf eine über 20-jährige Karriere in der Banking-Industrie und durften bei Top-Finanzunternehmen wie Goldman Sachs, JP Morgan, Lehman Brothers, Credit Suisse und Julius Bär das Handwerk des Geldanlegens entlang der Wertkette der „Produktion von Anlagelösungen“ erlernen.

Mein Name ist Tonia Zimmermann, gebürtige Schweizerin. Ich habe einen Master-Abschluss in Volkswirtschaftslehre und Finanzen der Universität St. Gallen (2003).

Ich heisse Luba Schönig, gebürtig aus Bulgarien und seit 1995 in der Schweiz. Ich habe einen Master-Abschluss in Betriebswirtschaftslehre und Finanzen der Universität Freiburg (2001) und einen Doktortitel in Quantitative Finance der Universität Zürich (2004).

Kennengelernt haben wir uns beide bei der Credit Suisse in der Abteilung für strukturierte Produkte. Wir haben entlang der ganzen Wertkette von Anlagelösungen bei der Credit Suisse und Julius Bär in diversen leitenden Positionen gearbeitet: von der „Herstellung“ von Anlageprodukten und -portfolios auf dem Trading Floor bis hin zur Vermögensstrukturierung, Selektion und Anlageberatung für die grössten Kunden der Bank. Und natürlich haben wir auch gesehen, was man besser und effizienter in unserer Industrie gestalten kann.

Eines ist uns aufgefallen: Der Unterschied zwischen vermögenden und weniger vermögenden Kunden ist sehr einfach. Die Ersten sind in den Kapitalmärkten investiert, die Zweiten sind eher ungenügend investiert. Wir sind den Gründen für das fehlende Interesse am Investieren bei den „normalen“ Kundinnen und Kunden nachgegangen, was uns zur Gründung unserer Finanzplattform UMushroom inspiriert hat.

Unsere ersten Erfahrungen an der Börse haben wir schon zu Studienzeiten gemacht.

Luba: Ich habe Call-Optionen auf die UBS im Frühjahr 1998 gekauft. Es war ein Glückstrade, denn 1998 hat der Schweizerische Bankverein (SBV) mit der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) unter dem Namen UBS fusioniert.

Tonia: Mein erster Trade war ein Kauf von Aktien der Credit Suisse. Auch ein Glücksgriff, denn sie sind gleich danach gestiegen.

Natürlich hatten wir auch andere Erfahrungen, die weniger profitabel waren.

Jeder erfolgreiche Trader oder Anleger hat zu Beginn seiner Laufbahn als „Lehrgeld“ mindestens ein, wenn nicht gar mehrere Konten „platt“ gemacht, so hört man immer wieder. Können Sie auch auf schmerzhafte Niederlagen zurückblicken und was haben Sie daraus gelernt?

Wir haben 2007 strukturierte Produkte gekauft, die sogenannten Barrier Reverse Convertibles auf Aktienindizes aus den USA, Europa, Japan und der Schweiz. Niemand dachte damals, dass sie um mehr als 40 % im Laufe der dreijährigen Laufzeit sinken könnten und die Barriere des bedingten Kapitalschutzes triggern werden. Nun, das ist in der Tat passiert. Entsprechend haben wir beim Verfall des Produkts ca. 30 % des eingesetzten Kapitals verloren.

Gab es ausser Verlusten noch andere Schwierigkeiten (z.B. psychologisch, zu wenig Startkapital …) die Sie schliesslich meistern konnten?

Ja, die gab es tatsächlich. Wir sind 2009, als die Aktienmärkte ihren Tiefstand seit Jahrzehnten erreicht hatten, aus Angst vor Verlusten nicht wieder eingestiegen.

Was glauben Sie, warum sind Sie als Traderinnen erfolgreich in diesem Geschäft geworden und haben letztendlich den Durchbruch geschafft, während viele andere letztlich scheitern?

Wir investieren diszipliniert und teilen unsere Portfolios in einen Kern- und einen Satelliten-Teil. Der Kernteil besteht aus Aktien-ETFs, in die wir regelmässig investieren. Der Satelliten-Teil besteht aus Aktien, Rohstoffen und Optionsstrategien auf Aktien.

Mit dem Kernteil sind wir langfristig am Aktienmarktwachstum dabei. Mit dem Satelliten-Teil profitieren wir von taktischen Opportunitäten am Markt.

Haben Ihnen Vorbilder oder Mentoren geholfen, Ihren Weg zu finden?

Ja, die haben wir: Einer unserer Vorbilder ist Ray Dalio, dessen Bücher wir sehr interessant finden. Unter den Hedgefonds-Managern ist auch James Simons sehr inspirierend! Das Buch «The Man Who Solved the Market – How Jim Simons launched the quant revolution» von Gregory Zuckerman ist ein Must-Read.

Mit welchem bekannten Trader bzw. mit welcher Investmentlegende würden Sie denn gerne einmal einen Kaffee trinken?

Mit Ray Dalio und Jim Simons! Mit Ray Dalio würden wir gern über anfängliche Fehler beim Geldanlegen sprechen. Und Jim Simons ist eine Legende, wenn es um quantitative Finanzmodelle geht.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus, halten Sie sich strikt an einen speziellen Tradingplan oder führen ein Trading-Tagebuch?

Wir haben einen sehr gut strukturierten Tag: Wir meditieren morgens und gleich danach planen wir den Arbeitstag, gefolgt von 30 Min. Finanznachrichten lesen. Jede von uns führt ihr eigenes Trading-Tagebuch. Im Übrigen kann man es auch bei uns auf der Plattform direkt machen. Unsere Portfolios sind auch auf UMushroom abgebildet. Unter den Portfolio-Positionen kann man seine Anlagestrategie beschreiben. Man kann auch jede Positionsänderung kommentieren. Das hilft sehr, wenn man sein Anlegerverhalten kontinuierlich verbessern will.

Das soziale Umfeld von Arbeitskollegen oder Kunden fehlt bei den meisten Berufs-Tradern. Viele sind deshalb auch in sozialen Netzwerken unterwegs, um sich mit Trader-Kollegen auszutauschen. Sehen Sie sich als beruflichen „Lone Wolf“ bzw. wie gehen Sie mit diesem Thema um?

Wir arbeiten bei uns im Office, zusammen mit unserem Team. Daher ist Einsamkeit für uns kein Thema. Es ist eher umgekehrt: Um uns herum ist immer etwas los! Unser Team ist jung und sehr kreativ.

Was bedeutet Ihnen Trading bzw. eigenständiges Anlegen und was ist für Sie das Schönste daran?

Wir haben grosse Freude daran, die Verantwortung für unsere Finanzen aktiv und bewusst wahrzunehmen. Eingeständiges Anlegen bedeutet für uns finanzielle Freiheit. In diesen geographischen Breiten leben wir mit der Erwartung, dass wir eine bestimmte Rente im Alter haben werden. Allerdings muss man sich bewusst sein, dass sich das System ändern kann: Die heutige Lebenserwartung ist viel höher als vor einigen Jahren, wir haben eine alternde Bevölkerung, das Pensionssystem steht somit vor grossen Herausforderungen.

Was würden Sie denn beruflich machen, wenn das mit dem Trading bzw. Investieren nicht geklappt hätte?

Wir waren lange in Angestelltenverhältnissen bei Banken, bis wir den Schritt in die Selbstständigkeit getan haben. Mittlerweile können wir uns nicht vorstellen, zurück zu unseren damaligen Angestelltenverhältnissen zu gehen. Einmal Unternehmerinnen, immer Unternehmerinnen!

Ist Ihnen mal ein aussergewöhnlicher Trade gelungen, an den Sie gerne zurückdenken?

2009 haben wir nachrangige Anleihen getraded, ein paar davon haben eine Superperformance geliefert.

Jeder Trader oder Anleger benötigt einen individuell passenden Handels-Stil basierend auf Techniken, Märkten und Zeitrahmen. Wie sieht Ihr Stil aus, nach welchen Gesichtspunkten wählen Sie Ihre Trades aus?

Wir haben eine Kernstrategie aus gut diversifizierten Aktien-ETFs. Im Satelliten-Teil unserer Portfolios traden wir US-Aktien und Optionen, typischerweise um die vierteljährlichen Gewinnmitteilungen der entsprechenden Gesellschaften. Unter den Wachstumsaktien sind einige Tech-Aktien sehr interessant. In AI haben wir schon vor dem Hype investiert. In der Schweiz und in Europa fokussieren wir uns eher auf Dividendenaktien. Opportunistisch kaufen wir auch einzelne Anleihen.

Welche Wünsche und Ziele haben Sie als Trader / Anleger und im privaten Bereich?

Wir möchten langfristig vom Wachstum der globalen Aktienmärkte profitieren und den Zinseszinseffekt für uns arbeiten lassen. Eine Aktienrendite um die 8 % p.a. nominal sollte längerfristig mit unserer Kernstrategie realisierbar sein. Natürlich profitieren wir auch von taktischen Opportunitäten. Optionsstrategien ermöglichen uns, im Satelliten-Teil unserer Anlagestrategie Gewinne von 10 % und mehr über eine eher kurze Haltezeit von ein paar Wochen zu realisieren.

Welche Hobbys begeistern Sie, d.h. wie verbringen Sie tradingfreie Tage am liebsten?

Tonia: Kochen, Lesen, Yoga, Fahrradfahren. Ich liebe Kochen, es ist für mich wie eine Art Meditation.

Luba: Lesen, Hiking, Joggen, oder auch mal einfach nichts tun und die Seele baumeln lassen.

Welche Tipps geben Sie unerfahreneren Kollegen oder Lesern mit auf den Weg?

Fangt an, regelmässig zu investieren! „Time in the market beats market timing”, wie man so schön auf Neudeutsch sagt😊. Legt einen Teil eures investierbaren Vermögens langfristig an. Mit dem Rest könnt ihr eure Lieblingsaktien, Optionsstrategien, Krypto-Währungen usw. traden. Und merkt euch eins: Fehler machen alle Investoren, lasst euch davon nicht entmutigen. Und schaut natürlich mal bei UMushroom vorbei, wo es unzählige Tipps zum Investieren und Vermögensaufbau gibt.


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